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Brühler Monatschronik: Juni

Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 35 Jahren
Pfarrfest für die neue Orgel

chronik 2026 06 Orgel

Das Pfarrfest der beiden Brühler Innenstadtpfarreien St. Margareta und St. Marien stand im Jahr 1991 ganz im Zeichen der Musik. Nicht nur, dass an diesem 23. Juni natürlich im Gottesdienst und auch während des Festes Musik erklang, der Erlös des Tages floss damals fast ausschließlich in das Projekt „Neue Orgel für St. Margareta“.
Und man hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen: gegen eine Spende erhielt man echte Pfeifen der alten Orgel, deren Herkunft mit einem Zertifikat verbrieft wurde. Diese Aktion brachte ca. 4.500 DM ein. Zusammen mit den anderen Einnahmen und einer großzügigen Spende zugunsten der Orgel konnte sich Kantor Michael Koll über insgesamt 14.122 DM freuen.


Vor 420 Jahren
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

Für den Juni 1606 findet sich ein merkwürdiger Eintrag in den Büchern der Brühler Kirchenkasse der Pfarrei St. Margareta: zu einer Ausgabe von 18 Albus ist vermerkt:
„Den beiden Schützen gegeben, dass sie die camisgaß und mühlengaß gleich gemacht han.“
Wie ist dies zu verstehen, wie zu erklären, wer waren diese Schützen?
Nachdem im Jahre 1554 Einbrecher das Gotteshaus heimgesucht und ausgeraubt hatten, hatte man kurzerhand zum Schutz zwei Nachtwächter, eben die „Schützen“, eingestellt, um Kirche und Kirchenschätze zu bewachen.
Nun war seitdem eine lange Zeit vergangen, die Tage schienen sicherer geworden zu sein, eigentlich hätte man der Dienste der beiden Herren nicht mehr bedurft. Um diese jedoch nicht entlassen zu müssen, übertrug man ihnen kurzerhand andere, nunmehr am Tage zu verrichtende Arbeiten, ohne ihnen ihre „Amtsbezeichnung“ als „Schützen“ zu entziehen. Im Zuge dieser „historischen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ hatten die beiden damals die Schlaglöcher der beiden Karrenpfade camisgaß und mühlengaß aufzufüllen und somit „gleich zu machen“.


Vor 200 Jahren
Schenkung

Seit eh und je speist sich das Kirchenvermögen zu großen Teilen aus Erbschaften und Schenkungen. Von einer solchen ist nun zu lesen: am 30. Juni 1826 schenkte die Jungfer Barbara Weißweiler ihr Haus auf dem Brühler Markt gemeinsam mit Garten und ungefähr 20 Morgen Ackerland durch notarielle Beurkundung an die Pfarrgemeinde St. Margareta. Dies mit der Zweckbindung, dass die Schenkung der Anstellung eines zweiten Kaplanes an der Pfarrkirche St. Margareta dienen möge.
Der angesehene Bäcker und Gastwirt Wilhelm Rösch erwarb das Grundstück am Markt im Jahr 1902. Dort errichtete er mit dem Ratskeller eine Gaststätte, die bis zum 2. Weltkrieg zurecht als Brühls gute Stube bezeichnet wurde. Hier trafen sich die Brühler Honoratioren, hier wurden die eiligsten Neuigkeiten verbreitet, hier traf man sich in gemütlicher Runde und hier wurde auch trefflich gestritten.


Vor 85
Jahren Kriegstagebuch

Zwei Einträge entnehmen wir dem Kriegstagebuch unserer Heimatstadt für den Juni 1941:
Am 1. Juni 1941 stellte die Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln das Erscheinen der Publikation ein. Man war zwar keinem Verbot der Nazis unterworfen worden, aus Gründen der kriegsnotwendigen Papierersparnis konnte man schlicht kein Druckpapier mehr erwerben.
Am 17. Juni 1941 fanden vier Menschen in Brühl den Tod, als der zweite Luftangriff des Weltkriegs unsere Heimatstadt heimsuchte. Eine der Bomben schlug mitten im Zentrum der Stadt ein und verfehlte die Pfarrkirche St. Margareta nur um wenige Meter.


Vor 120
Jahren Gründungsbeschluss

Mit Beschluss vom 27. Juni 1906 rief der Brühler Rat eine örtliche Sparkasse ins Leben. Geleitet von Rendant Johann Röhrig (er wurde später auch der erste Direktor der Sparkasse) nahm das Institut seinen Betrieb in einem 16 Quadratmeter großen Raum im ersten Stockwerk des Rathauses auf. 1.393.000 Mark an Einlagen waren nach gut einem Jahr bereits zusammen, nach vier Jahren des Bestehens hatte man diesen Betrag bereits verzehnfacht und konnte 1910 einen Reingewinn von 68.000 Mark erwirtschaften, der direkt der Brühler Stadtkasse zufloss. 1911 wurde ein eigenes Sparkassengebäude am Steinweg bezogen, nach dem 1. Weltkrieg wurde die Brühler Sparkasse dann mit der Kreissparkasse vereinigt