Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)
Vor 205 Jahren
Bewerbung um das Lehrerseminar

Arbeiten Verwaltungen dem Volksmund folgend eher langsam, so machte man im Brühl des Jahres 1821 eine löbliche Ausnahme die weitreichende Folgen haben sollte: nur wenige Tage nachdem der Rat der Stadt Brühl den Entschluss gefasst hatte, die leerstehenden Klostergebäude dem preußischen Staat als Räumlichkeiten für ein Lehrerseminar zur Verfügung zu stellen, wurde dies durch die offizielle Bewerbung in die notwendigen Bahnen geleitet: Am 8. März 1821 erfolgte die Eingabe der Brühler Stadtväter am Königlich preußischen Ministerium in Berlin. Brühl hatte seine Hausaufgaben im Zuge der Bewerbung sehr gut gemacht und erhielt den Zuschlag: Von 1823 bis 1925, also über 100 Jahre lang hatte das Lehrerseminar Bestand.

Vor 360 Jahren
Tod durch die Pest
Am 10. März 1666, dem Aschermittwoch dieses Jahres, trat Pastor Petrus Heimerzheim, sein Amt in der Brühler Gemeinde an. Niemandem wäre es damals in den Sinn gekommen, dass er nur wenige Monate im Amt sein würde. Denn ihn traf damals dasselbe Schicksal wie viele Mitglieder seiner Gläubigen. In Brühl und Umgebung wütete seinerzeit die Pest. Und der schwarze Tod, dessen Ursache damals noch unbekannt war, machte auch bei den Helfern und Pflegern keine Ausnahme. Auch vor den Pforten des Klosters machte der Tod nicht Halt. Die Franziskanermönche waren zwar eine große Hilfe und konnten manche Not lindern, aber auch Sie wurden nicht verschont: fünf Ordensleute, ein Pater und vier Brüder, fanden innerhalb eines Jahres den Tod, ebenso 35 Mitglieder der damals bestehenden „Gürtelbruderschaft“ an der Klosterkirche.
Vor 230 Jahren
Haft für den Bürgermeister
Mit der französischen Besatzung waren im gesamten Rheinland viele Einschränkungen und Lasten verbunden. So auch in Brühl: Unserer Heimatstadt wurde auferlegt, 135 Schanzarbeiter abzustellen, man kam dieser Aufforderung allerdings nur teilweise nach und entsandte nur 65 Arbeitskräfte. Die Regel des kölschen Grundgesetzes „Et hätt noch emmer joot jejange“ griff damals nicht, und so stand am 21. März 1796 ein Kommando dreier Chausseurs (Landjäger der französischen Besatzungstruppen) vor dem Brühler Maire Joseph Lievenbruck, um diesen nach Düsseldorf zu bringen. Der Bürgermeister – er war erst seit drei Monaten im Amt – sollte sich dort verantworten. Und Lievenbruck wurde so lange in Düsseldorf festgehalten, bis diese Frage der abzustellenden Arbeitskräfte für die Machthaber zufriedenstellend gelöst war. Zu guter Letzt musste Lievenbruck vor seiner Freilassung auch noch 30 Taler für die entstandenen „Beherbergungskosten“ aus eigener Tasche auslegen. Hernach wurde er mit den „besten“ Wünschen und Ratschlägen in die Heimat entlassen.
Vor 115 Jahren
Eisenbahnmodernisierung

Ist der Zustand des „Bahnkörpers“ auch heute immer wieder Anlass zu Kritik und wird als Grund für viele Verspätungen der DB herangezogen, so waren auch vor über 100 Jahren Modernisierungen fester Bestandteil des Bahnwesens: die Anlagen der „Preußisch-Hessischen Staatseisenbahn“ in Brühl – so hieß die „Bahn“ damals – wurden im Frühjahr des Jahres 1911 einer grundlegenden Erneuerung unterzogen. Der Güterbahnhof wurde vom Bereich der heutigen Franzstraße auf seinen jetzigen Standort an der Kölner Chaussee verlegt, die Bahnunterführungen an Kölnstraße und Comesstraße wurden errichtet und entschärften hier die Gefahren und Wartezeiten der bisherigen Bahnübergänge. Der gesamte Bahnkörper im Einzugsbereich der Stadt Brühl wurde erhöht, sodass zwangsläufig auch die Bahnsteige angehoben werden mussten.Die Errichtung eines neuen Bahnhofsgebäudes war bereits durch das Königliche Hofmarschallamt in Berlin genehmigt, der Kriegsausbruch 1914 jedoch verhinderte Abriss und Neubau. Diesem Umstand verdanken wir die Erhaltung des historischen Schlossbahnhofes in seiner einzigartigen Form.