Brühl, 26. Juni 2026. Zeitreise auf eine Großbaustelle des 18. Jahrhunderts: Erstmals widmet sich eine Ausstellung dem über 40 Jahre währenden Bau von Schloss Augustusburg, das heute zur UNESCO-Welterbestätte Schlösser Brühl gehört. Auftrag- und Namensgeber war der Kölner Kurfürst und Erzbischof Clemens August von Bayern. Architekten, Künstler und Kunsthandwerker aus ganz Europa schufen zusammen mit regionalen Fachkräften im Zuge eines lebendigen Kulturtransfers ein einzigartiges Gesamtkunstwerk des Rokoko.
Welche Persönlichkeiten verbergen sich hinter den Namen der Erbauer? Wie sah der Arbeitsalltag damals aus? Welche Techniken und Materialien wurden verwendet? Und gab es während der Bauphase Konflikte oder Skandale? In den Räumen des Gelben Appartements porträtiert die Ausstellung beteiligte Stars wie den bayerischen Hofarchitekten François de Cuvilliés, den Baumeister Balthasar Neumann, den Freskomaler Carlo Carlone sowie bisher weniger bekannte Handwerker, Lieferanten und Tagelöhner.

Johann-Conrad Schlaun, Schloss-Augustusburg, Aufriss der Westfassade
(Bildnachweis: LVR - Amt für Denkmalpflege im Rheinland - Grafiksammlung)
Interaktive Medien- und Mitmachstationen vermitteln historische Handwerkstechniken wie Fresko- und Stuckarbeit, Vergoldung oder Lacca Povera (Lacktechnik). Mit dem sogenannten Rokoko-Radar können Bilder und Videos aus Bereichen des Schlosses aufgerufen werden, die nicht unmittelbar oder im Detail zu sehen sind. Die Ausstellung eröffnet außerdem eine neue Perspektive auf Themen wie Bauen, Recycling und Denkmalpflege heute.
Zu sehen ist auch ein kunsthistorisches Highlight der Schlösser Brühl: Die Decke des Speisezimmers schmückt die früheste sogenannte Rocaille in Deutschland, ein Zierelement, das an die Form einer Muschel erinnert. Auch deswegen wurde die ganze Anlage 1984 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Carlo Innocenzo Carlone, Entwurf für das Deckenfresko des Prunktreppenhauses von Schloss Augustusburg (1794)
Quelle: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (Foto: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe)
Die Sonderausstellung umfasst rund 150 Exponate zur Baugeschichte, die sich aus der eigenen Sammlung sowie aus Leihgaben zusammensetzen, darunter ein restauriertes Teil der Wandvertäfelung aus dem kriegszerstörten Lackkabinett, der Entwurf zur Decke des Prunktreppenhauses, Gemälde, Bauzeichnungen und weitere historische Zeugnisse. Die Schau ist vom 27. Juni bis zum 1. November 2026 in Schloss Augustusburg zu sehen.
Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung der Länder, die Rudolf-August Oetker-Stiftung, den Freundeskreis Brühler Schlösser und Gärten e. V. sowie den Landschaftsverband Rheinland.
Eine Publikation zur Ausstellung ist an den Museumskassen von Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust sowie im freien Buchhandel erhältlich.
Begleitend zur Ausstellung wird ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten.
Weitere Informationen: schlossbruehl.de

Schloss Augustusburg, Prunktreppenhaus
Quelle: Foto: Schlösser Brühl, Verena Meier
Statements
Regina Junga, Dienststellenleiterin:
Die Schlösser Brühl gehören mit jährlich über 110.000 Besuchenden zu den Highlights der deutschen Kulturdenkmäler. Mit der Ausstellung „Rokoko under Construction“ erfüllt die Welterbestätte sich und ihren Gästen einen Herzenswunsch: Wir zeigen erstmals, unter welchen Bedingungen und mit welchen Techniken die Menschen diese Residenz vor 300 Jahren auf einer europäischen Großbaustelle mitten auf dem Land erbaut haben. Die Ausstellung eröffnet zusätzlich neue Perspektiven auf das 18. Jahrhundert und die Entwicklung des Rokoko.
Christiane Winkler, Projektleiterin:
Ich freue mich sehr, dass wir nach längerer Zeit wieder eine Ausstellung zum 18. Jahrhundert in den Räumen von Schloss Augustusburg zeigen können. Unser großer Dank gilt den Förderern des Projekts: Die Kulturstiftung der Länder, die Rudolf-August Oetker-Stiftung, der Freundeskreis Brühler Schlösser und Gärten e.V. und der Landschaftsverband Rheinland haben durch ihre Unterstützung maßgeblich zum Gelingen der Ausstellung beigetragen. „Rokoko under Construction“ erzählt Geschichten zum Bau des Schlosses. Auch die „kleinen Leute“ auf der Baustelle bekommen ein Gesicht und eine Stimme.
Xenia Schürmann, Kuratorin der Ausstellung:
Eines meiner persönlichen Highlights ist die kürzlich restauratorisch untersuchte und aufbereitete Wandtafel aus dem ehemaligen Lackkabinett, das im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde. Das Kabinett wurde in der sehr seltenen sogenannten Lacca Povera-Technik dekoriert. Dazu wurden meist kleinere Objekte mit ausgeschnittenen und bemalten Kupferstichen beklebt, um asiatische Vorbilder zu imitieren.
Benedikt Bauer, Kurator der Ausstellung:
Es ist allein von der Größe und Originalität des Objekts her beeindruckend, den Entwurf für das Deckengemälde des berühmten Brühler Prunktreppenhauses zeigen zu können. Als großformatige, fast 1,5 Meter hohe Ölskizze stellt er den letzten Abstimmungsschritt zwischen dem Bauherrn Clemens August von Bayern und dem Freskanten Carlo Carlone dar. Der Entwurf gibt einen spannenden Einblick in die Arbeitsweise des gefeierten lombardischen Malers.

v.l.n.r.: Xenia Schürmann, Benedikt Bauer, Christiane Winkler, Regina Junga
Quelle: Foto: Schlösser Brühl, Astrid Piethan