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Brühler Monatschronik: Oktober

Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 125 Jahren
Amtsgericht eingeweiht

Brühler Monatschronik: Oktober

Mitten im Ersten Weltkrieg erhielt Brühl eine für die Entwicklung der Stadt wichtige Einrichtung: Am 1. Oktober 1916 wurde das neue Amtsgerichtsgebäude an der Liblarer Straße eingeweiht. Erster Richter war Amtsgerichtsrat Kneer. Die Errichtung eines eigenen Amtsgerichts war bereits 1913 gesetzlich beschlossen worden; sein Bezirk wurde aus dem bisherigen Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Köln herausgelöst. Für die Brühler Bevölkerung bedeutete dies, dass zahlreiche Rechtsangelegenheiten fortan unmittelbar in der eigenen Stadt erledigt werden konnten. Zugleich war das neue Gericht Ausdruck der wachsenden Bedeutung Brühls zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Seine ursprüngliche Aufgabe hat das stattliche Gebäude längst verloren, doch es dient der Stadt bis heute: In dem ehemaligen Amtsgericht ist heute die städtische Kunst- und Musikschule (KuMs) untergebracht. So ist aus einem Ort der Rechtsprechung inzwischen ein Ort der Musik, Kunst und kulturellen Bildung geworden.

Vor 110 Jahren
Brühler Volksblatt

Am 1. Oktober 1901 erschien erstmals das „Brühler Volksblatt“. Herausgeber und Verleger war Peter Weinheimer, der damit die damalige Brühler Presselandschaft um eine weitere Lokalzeitung bereicherte. Das Blatt berichtete über Ereignisse aus Brühl und Umgebung und brachte seinen Lesern Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Neben der bereits seit 1898 bestehenden „Brühler Zeitung“ verfügte die wachsende Stadt damit über eine zweite örtliche Zeitung. Mehr als ein Jahrzehnt begleitete das Brühler Volksblatt das Leben in der Stadt. Die Zeitung hat bis 1914 bestanden und musste bei Kriegsausbruch den Betrieb einstellen.


Vor 105 Jahren
Benefizkonzert

Am 21. September 1921 erschütterte eine gewaltige Explosion das BASF-Werk in Oppau bei Ludwigshafen. Mehr als 500 Menschen verloren ihr Leben, Tausende wurden verletzt und große Teile des Ortes verwüstet. Die Katastrophe löste weit über die Region hinaus eine Welle der Hilfsbereitschaft aus – auch in Brühl.

Bereits am 1. Oktober 1921, nur zehn Tage nach dem Unglück, veranstaltete der Brühler Männer-Gesang-Verein 1846 im Hotel Belvedere ein großes Wohltätigkeitskonzert, dessen gesamter Reinertrag für die Hinterbliebenen der Oppauer Katastrophe bestimmt war. Die musikalische Leitung lag bei Musikdirektor Josef Werth aus Bonn. Mitwirkende waren die Sopranistin Anny Czopowdinski-Otten, der Bariton Josef Siegburg sowie das Bonner Städtische Orchester.

Das anspruchsvolle Programm reichte von Wagners Rienzi-Ouvertüre und Mozarts Jupiter-Symphonie über Werke von Weber, Liszt und Verdi bis zu Männerchören. Den Abschluss bildete Max Bruchs Kantate „Schön Ellen“ für Bariton, Sopran, Chor und Orchester. Mit einem gestalteten

Inserat wurde am Tag des Konzertes in der Brühler Zeitung auf das Ereignis hingewiesen.


Vor 100 Jahren
Energiepreisregelung

Brühler Monatschronik: Oktober

Wer glaubt, die Diskussion über hohe Energiepreise und staatliche Eingriffe sei eine Erscheinung unserer Zeit, dem sei ein Blick in die Brühler Zeitung vom 28. Oktober 1926 empfohlen. Unter der Überschrift „Gesetzliche Regelung des Kohlenpreises?“ berichtete sie vor genau 100 Jahren über einen erwarteten Regierungserlass, mit dem die Preise im Kohlenhandel verbindlich festgesetzt werden sollten. Anlass war eine große Kohlenknappheit im Land: Während Industrie und Haushalte dringend Heizmaterial benötigten, würden, so hieß es, Kohlen von Händlern zurückgehalten. Verstöße gegen die vorgesehenen amtlichen Preisfestsetzungen sollten deshalb streng geahndet werden. Heute diskutieren wir über Benzin- und Dieselpreise, vor 100 Jahren war es die Kohle. Der Energieträger hat sich geändert – die Frage, ob und wie der Staat bei hohen Preisen eingreifen soll, ist erstaunlich aktuell geblieben.