
„Wir wollen die Zukunft für Brühl mitgestalten“
Sebastian Mies bringt alles mit, um die Stadtwerke langfristig voranzubringen. Seit fast 20 Jahren arbeitet er in der Energiewirtschaft. Im Jahr 2008 begann er seine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der RheinEnergie. Berufsbegleitend studierte er Betriebswirtschaftslehre. Er schloss das Studium mit den Abschlüssen Bachelor und Master erfolgreich ab. 2011 verlegte er seinen Schwerpunkt auf Integration erneuerbarer Energien, anschließend begleitete er u.a. IT-Prozesse eines markttauglichen virtuellen Kraftwerks. 2021 bewarb er sich dann auf die ausgeschriebene Stelle eines Projektmanagers bei den Stadtwerken Brühls.
„Nach zehn Jahren bei der RheinEnergie wollte ich eine Veränderung“, sagt Sebastian Mies. „Die Aufgabe bei einem 100-prozentigen Stadtwerke-Unternehmen anzufangen, fand ich sehr reizvoll.“ Er bekam den Zuschlag und trat seinen neuen Job am 1. Januar 2022 bei den Stadtwerken Brühl an. In seinem neuen Büro hing zur Begrüßung eine Flipchart, vollgeschrieben mit „Themen für Herrn Mies“. „Ich erinnere mich an Aufgaben wie Submetering und Digitalisierung“, meint Sebastian Mies.
Sechs Wochen später war bereits alles wieder Makulatur. Durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die daraus resultierende Gaskrise verschoben sich die Prioritäten schlagartig. Flexibilität war fortan gefordert. „Wie sind wir auf eine Gasmangellage vorbereitet, haben wir uns gefragt“, erinnert sich Sebastian Mies. „Die Gesetze dazu stammten aus den siebziger Jahren und waren entsprechend veraltet.“ In der Folgezeit leitete er dann erfolgreich zahlreiche wegweisende Projekte – „teilweise von Null aufgebaut“ – mit denen er die Stadtwerke Brühl digital umgestaltete und für die künftige Energiewirtschaft positionierte.
Seine besonderen Fähigkeiten blieben im Unternehmen nicht verborgen. Als es um die Nachfolge von Thomas Isele ging, warf er seinen Hut mit in den Ring. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke wählte ihn nach einem mehrstufigen externen Auswahlverfahren dann einstimmig zum Nachfolger des bisherigen Geschäftsführers, auch der Rat der Stadt Brühl sowie die Gesellschafterversammlung stimmten der Personalie im Mai zu. Das ebnete den Weg für einen fließenden und reibungslosen Übergang in der Geschäftsführung.
Stadtwerke wahren Kontinuität
Mit einem neuen Chef aus den eigenen Reihen ist die Kontinuität bei den Stadtwerken Brühl gegeben. „Die Stadtwerke Brühl sind sehr gut aufgestellt. Als neuer Geschäftsführer freue ich mich auf die verantwortungsvolle Aufgabe, gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen die Energie- und Wärmewende in der Region zu gestalten”, erklärte Sebastian Mies seinerzeit in einer ersten Stellungnahme.
Ein Schild über seinem Schreibtisch erinnert den 41-Jährigen an die Bedarfe der sicheren Versorgung: Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit, Klimaneutralität. Diese drei Eckpfeiler müssen bei den Stadtwerken gewährleistet sein, um ihre ureigenen Aufgaben der Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmeversorgung gegenüber der Brühler Bevölkerung erfüllen zu können. Die Aufgaben sind alle anspruchsvoller geworden.
Die letzten Sommer waren alle heißer und trockener als in der Vergangenheit. Das führt zu Veränderungen. Niedrige Pegel in den Flüssen wurden registriert. Manche Atomkraftwerke im Ausland hatten Probleme mit der Kühlung. In Deutschland gab es in einigen Städten und Landkreisen Probleme bei der Wasserversorgung. „Darauf müssen wir uns einstellen“, sagt Sebastian Mies. „Dazu kommt die Sicherheit der kritischen Infrastruktur. Neben technischen Anforderungen erleben wir in der Branche zunehmende Fälle von Fremdeinwirkung durch Hacker oder Sabotage. Auf all das müssen wir vorbereitet sein, die Infrastruktur muss resilient werden.“

Hinzu kommt, dass Stadtwerke ganz allgemein gesprochen und nicht nur in Brühl, viel von ihrer vorhandenen Substanz gelebt haben. In den kommenden Jahren werden hohe Investitionen fällig werden, Modernisierungen sind erforderlich. Dabei kommt den Stadtwerken Brühl mit ihren rund 170 Mitarbeitern zugute, dass sie ihre Gewinne bis dato als 100-prozentiger Tochtergesellschaft der Stadt Brühl nach Bedarf behalten darf, auch um Verluste aus den chronischen Zuschussgeschäften ÖPNV und Karlsbad, die beide ebenfalls Gegenstand des Unternehmens sind, auszugleichen. Auch in diese Bereiche werden weitere Investitionen fließen wie aktuell etwa in den Saunabereich.
„Diese Brühler Lösung tut uns gut und macht die Stadt auch lebenswert“, glaubt der Geschäftsführer. „Das Geld, das unsere Kunden an uns zahlen, bleibt in Brühl – natürlich auch durch eine Gewinnausschüttung an die Stadt. Wir sind der Grundversorger, Brühl kann sich auf uns verlassen, auch wenn es mal, wie im letzten Winter geschehen, zu fehlerhaften Jahresabrechnungen gekommen ist. Da muss sich unsere Qualität wieder verbessern.“ Großen Wert legt Sebastian Mies auch weiterhin auf die Kundenbetreuung der Stadtwerke vor Ort am Janshof, wo sich die Kundenberater der Fragen der Bürger annehmen. „Wir sind für die Menschen persönlich da.“
„Wir sind das kleine gallische Dorf“
Die Verwurzelung der Stadtwerke Brühl mit der Stadt zeigt sich auch am Sponsoring ganz vieler Vereinsaktivitäten in der Schlossstadt. „Wir unterstützen in vielfältiger Weise das Ehrenamt, Kulturveranstaltungen und Vereinsfeste“, freut sich Sebastian Mies. „Darauf sind wir stolz. Wir gestalten selber viel in Brühl. Wir müssen für Brühl und den Umkreis attraktiv bleiben, denn der Kunde von heute stellt neue Anforderungen und vergleicht. Trotzdem sind wir so etwas wie das kleine gallische Dorf, das von großen Konzernen umgeben ist, aber seine Eigenständigkeit stets bewahrt hat. Und das soll auch dank unserer höchstengagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so bleiben.“
Seit seiner Jugend ist Sebastian Mies übrigens bestens mit Brühl vertraut. Der in Köln-Hohenlind geborene Vater eines dreijährigen Sohnes wuchs in Weilerswist auf, besuchte in Liblar das Gymnasium und jobbte einst als Student im Brühler Hitmarkt. Immer wieder besuchte und schätzte er Brühl. Inzwischen lebt er mit seiner Partnerin im Kölner Süden. In seiner Freizeit geht der FC-Fan gerne laufen oder zum Stand-up-Paddling auf dem Heider Bergsee.
Zu den großen zukünftigen Projekten der Stadtwerke Brühl zählt die Wärmewende. Im Sommer 2025 wurde die kommunale Wärmeplanung im Stadtrat einstimmig beschlossen mit dem Ziel, im Jahr 2045 Treibhausgas-neutral zu sein. Nach zahlreichen Stadtteilgesprächen mit den Bürgern für potenzielle Wärmenetzgebiete laufen aktuell Machbarkeitsstudien der Stadtwerke, um den genauen Ausbau der Netze zu prüfen. „Für die spätere Umsetzung suchen wir auch Partner im Rhein-Erft-Kreis“, sagt Sebastian Mies. Zu weiteren möglichen neuen Geschäftsfeldern zählen auch der Ausbau der E-Mobilität mit Wallboxen und anderen Speichermöglichkeiten. Auch die weitere Digitalisierung und die Nutzung von KI wird weiter vorangetrieben. „Wir wollen die Zukunft für Brühl weiter mitgestalten“, meint der Stadtwerke-Chef abschließend. „Wir haben die Expertise.“
Tobias Gonscherowski